Klinische Marker in der Spontansprache früh-sukzessiv bilingualer Kinder mit Deutsch als Zweitsprache

Johanna Schmidt, Maren Eikerling & Joana Cholin
Universität Bielefeld, IRCCS E. Medea & Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Die Studie widmet sich der Überprüfung der als klinische Marker diskutierten sprachlichen Strukturen Subjekt-Verb-Kongruenz, Verbstellung in Haupt- und Nebensätzen sowie Genus- und Kasusmarkierungen am definiten Artikel. Verglichen wurden Spontansprachdaten von früh-sukzessiv bilingualen Kindern mit und ohne SES und verschiedenen Erstsprachen im Alter von 4 bis 7 Jahren. Die Subjekt-Verb-Kongruenz konnte als klinischer Marker einer SES bestätigt werden. In den Nominativartikeln zeigen sich zwar signifikante, aber graduelle Unterschiede, weswegen die Überprüfung von Akkusativ- und Dativartikeln in der Praxis wenig aussagekräftig scheint. Die korrekte Verbstellung in Nebensätzen könnte als potenzieller klinischer Marker in Frage kommen, dies muss aber durch weitere Forschung überprüft werden.

Technikbereitschaft für Teletherapie erfassen: Adaption einer validierten Kurzskala für Menschen mit chronischer Aphasie

Almut Plath, Marie Hoffmann, Bianca Spelter, Juliane Leinweber, Sabine Corsten & Sven Karstens
Katholische Hochschule Mainz, Hochschule Trier & HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen

Digitalisierung gewinnt weiter an Bedeutung und einhergehend damit auch Teletherapie. Mit Zunahme teletherapeutischer Verfahren zur logopädischen Aphasietherapie wird ein Instrument zur Erfassung der Technikbereitschaft von Menschen mit Aphasie benötigt. Ein solches Messinstrument, das sprachliche Einschränkungen einbezieht, existiert jedoch bislang nicht. Die vorliegenden Ergebnisse beschreiben die Anpassung und Erweiterung der validierten “Kurzskala zur Erfassung von Technikbereitschaft” für Menschen im höheren Lebensalter von Neyer, Felber und Gebhardt (2016) unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Menschen mit Aphasie.

Evidenzbasierte Praxis – Handlungskompetenzen im externen Praktikum des BSc Patholinguistik

Clara Menze & Nicole Stadie
Universität Potsdam

Ziel der Arbeit ist die zusammenfassende Darstellung evidenzbasierter Praxis, die die Studierenden des BSc Patholinguistik an der Universität Potsdam im Rahmen des externen Praktikums im Jahr 2020/2021 erbracht haben. Insbesondere werden Informationen zum Fokus der Therapie, der gewählten Therapieaufgabe, dem Therapiematerial und zu den Ergebnissen der Evaluation gegeben.

Express yourself! Die Diagnostikinstrumente frühkindlicher Sprachentwicklung FRAKIS und SETK-2 im Vergleich

Charlotte Uhlemann, Isabell Wartenburger & Matt Hilton
Universität Potsdam

In dieser Querschnittstudie wurden die Ergebnisse des FRAKIS Wortschatztests mit denen des SETK-2 Untertests “Produktion I: Wörter” verglichen. Eine separate explorative Analyse der FRAKIS-Wortschatzergebnisse zeigte für die Altersgruppen von 24, 25 und 26 Monaten einen Anstieg von Nomen, Verben und Funktionswörtern als Vorläufer für die Grammatikentwicklung. Der Elternfragebogen FRAKIS und Sprachentwicklungstest SETK-2 erbrachten übereinstimmende Ergebnisse für die Wortschatzentwicklung von Kindern zu Beginn des dritten Lebensjahres und sind somit gut geeignete Messinstrumente zur Untersuchung der frühkindlichen Sprachentwicklung.

Therapie von Wortabrufstörungen mit der App LingoTalk bei einer Patientin mit Aphasie: Eine Therapiestudie

Dorit Schmitz-Antonischki, Judith Heide & Jonka Netzebandt
Universität Potsdam & P.A.N. Zentrum, Berlin

In der vorliegenden Pilotstudie wurde die Wirksamkeit einer Therapie des mündlichen Wortabrufs mit LingoTalk untersucht. Es sollte ermittelt werden, ob ein strukturiertes, hochfrequentes, zeitlich begrenztes, App-basiertes und ASR-gestütztes Benenntraining mit einem hohen Anteil an Eigentraining zu einer Verbesserung der mündlichen Wortproduktion im Hinblick auf geübtes und ungeübtes Material und die Spontansprache führt. Hierzu wurde im Rahmen einer Einzelfallstudie der mündliche Wortabruf geübt und eine umfassende Evaluation der Behandlung in Bezug auf Übungs-, Generalisierungs- und Transfereffekte vorgenommen.

Zwischen Verständnis und Anwendung – Manifestation eines False Belief-Verständnisses in Erzählungen von Kindern und Jugendlichen mit Down-Syndrom

Isabel Neitzel
Universität zu Köln

Das Verständnis von False Belief-Situationen, also die Erkenntnis, dass eine andere Person einer falschen Annahme unterliegt, ist ein elementarer Entwicklungsschritt der sogenannten Theory of Mind und beeinflusst auch die Art und Weise, wie Kinder die Handlungen und Gefühle von Protagonist:innen in Erzählungen darstellen. Der Erwerb des False Belief-Verständnisses ist Studien zufolge bei Kindern und Jugendlichen mit Down-Syndrom beeinträchtigt. Der vorliegende Beitrag untersucht, ob sich das kognitive Verständnis einer False Belief-Situation auch auf die Versprachlichung einer entsprechenden Begebenheit in einem Erzählkontext bei Personen mit Down-Syndrom auswirkt. Entsprechende klinische Implikationen werden abgeleitet.

6 Wagner: SCREENIKS

Dr. Lilli Wagner, Medizinische Akademie IB Medau, München
Sprachstandsdiagnostik bei ein- und mehrsprachigen Kindern mit SCREENIKS

Workshopbeschreibung
Im Kurzworkshop „Sprachstandsdiagnostik bei ein- und mehrsprachigen Kindern mit SCREENIKS“ wird das von der Referentin ausgearbeitete Verfahren praxisnah vorgestellt. Das computergestützte Screening der kindlichen Sprachentwicklung – SCREENIKS (Wagner, 2014) überprüft die Bereiche Aussprache, Grammatik und Wortschatz und bietet eine getrennte Berechnung von Normen für ein- und mehrsprachige sowie 4-5-jährige und 6-7-jährige Kinder. Das Verfahren richtet sich an alle Berufsgruppen, die sprachtherapeutisch tätig sind. Darüber hinaus kann es in Förderzentren, Sprachheilkindergärten, kinderärztlichen Praxen sowie im Rahmen von Schuleingangsuntersuchungen Anwendung finden. SCREENIKS liegt als Windows sowie als Tabletversion (iPad/Android) vor und kann bei Interesse von Teilnehmer:innen praktisch ausprobiert werden.

Über die Referentin
Dr. Lilli Wagner studierte von 1994 bis 1999 Sprachheilpädagogik an der Universität zu Köln und promovierte dort anschließend zum Dr. paed. Von 2000 bis 2002 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität zu Köln sowie als Sprachheilpädagogin in einer sprachtherapeutischen Praxis in Köln tätig. Danach arbeitete Dr. Wagner bis 2007 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sprachheilpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie an dem dort angebundenen Forschungsinstitut für Sprachtherapie und Rehabilitation im Bereich Mehrsprachigkeit. Von 2007 bis 2016 praktizierte sie als Sprachheilpädagogin am Diakoniewerk München-Maxvorstadt. Seit 2016 ist sie Dozentin an der Berufsfachschule für Logopädie der Medizinischen Akademie IB Medau sowie an der IB Hochschule für Gesundheit und Soziales in München. Seit 15 Jahren gibt sie Fortbildungen für Sprachheilpädagog:innen, Logopäd:innen, Lehrer:innen, Erzieher:innen und anderen Berufsgruppen zum Themengebiet Mehrsprachigkeit.

5 Horn & Streppel: Nahrungsaufnahme

Anne-Marie Horn & Michal Streppel, THERAPIEexperte, Physiotherapeutische Praxis, Berlin-Hermsdorf
Störungen der Nahrungsaufnahme bei Säuglingen und Kleinkindern im interdisziplinären Kontext

Workshopbeschreibung
Wie lassen sich Zusammenhänge zwischen der sensorischen Verarbeitung und motorischen Ausführung erkennen und Zusammenhänge zwischen sensomotorischen Defiziten und Störungen der Nahrungsaufnahme im Säuglings- und Kleinkindalter herstellen? Welche Rückschlüsse kann ich für mein therapeutisches Vorgehen in Bezug auf therapeutische Interventionen bei Saugschwierigkeiten und Problemen bei der Einführung von Breikost, halbfesten Konsistenzen und beim Übergang zu festen Lebensmitteln ziehen? In diesem Workshop werden wir gemeinsam die Schnittstellen zwischen der Logopädie und Ergotherapie im Säuglings- und Kleinkindalter erarbeiten und Rückschlüsse für die Therapie ziehen.

Über die Referentinnen
Anne-Marie Horn ist langjährige Logopädin und legt ihren Schwerpunkt auf Therapien von Säuglingen und Kleinkindern mir Fütter- und/oder Schluckstörungen. Um ihren Schwerpunkt zu vertiefen hat sie daher erfolgreich die Fortbildung zur Castillo-Morales®-Therapeutin absolviert.
Seit 2020 gibt sie als Dozentin bei THERAPIEexperte im Interdisziplinären Fachtherapeuten für Säuglinge und Kleinkinder im Schwerpunkt Logopädie ihre Erfahrungen aus der Praxis an Auszubildende, Berufseinsteiger:innen und erfahrene Therapeut:innen weiter.
Michal Streppel
ist seit 2015 staatlich anerkannte Physiotherapeutin und legt ihren Therapieschwerpunkt auf die Arbeit mit Säuglingen, Kleinkindern und Kindern. Um ihren Schwerpunkt zu vertiefen hat sie daher erfolgreich die Fortbildung zur Bobaththerapeutin (Pädiatrie) und zur Manualtherapeutin für Säuglinge und Kleinkinder absolviert.
Seit 2020 ist sie als Dozentin für den Fachbereich Pädiatrie tätig und gibt in der Lehre sowie bei THERAPIEexperte im Interdisziplinären Fachtherapeuten für Säuglinge und Kleinkinder im Schwerpunkt Physiotherapie ihre Erfahrungen aus der Praxis an Auszubildende, Berufseinsteiger:innen und erfahrene Therapeut:innen weiter.

4 Kimmel: Resilienz

Ina Kimmel, Dortmund
Resilienz: Psychische Widerstandsfähigkeit für gesunde Therapeut:innen

Workshopbeschreibung
Resilienz bezeichnet die psychische Widerstandsfähigkeit einer Person im Umgang mit Herausforderungen und Krisen. Genau das, was Therapeut:innen in turbulenten Zeiten, aber auch grundsätzlich in ihrem Berufsalltag, gut gebrauchen können. Denn der Therapiealltag hält nicht nur in Pandemiezeiten eine Menge Herausforderungen bereit. Die Konfrontation mit Patientenschicksalen, Krankheit, Stress, Erwartungen, Konflikten, Zeitdruck oder Widerständen kann dazu führen, dass die Leichtigkeit im Therapiealltag verloren geht. In wissenschaftlichen Untersuchungen konnten übergeordnete Faktoren ermittelt werden, die das Entstehen von Resilienz positiv beeinflussen. In diesem Workshop erhalten Sie einen Einblick in das Thema Resilienz im therapeutischen Setting und erstes Handwerkszeug um Ihre Resilienz im Therapiealltag näher in den Blick zu nehmen.

Über die Referentin
Ina Kimmel ist seit 2011 Inhaberin einer logopädischen Praxis in Dortmund und arbeitet als Therapeutin mit dem Schwerpunkt Stimmtherapie. Sie hat in den Niederlanden Logopädie studiert, an der Universität Regensburg das Masterstudium in Sprechwissenschaft und Sprecherziehung absolviert und eine Ausbildung zum systemischen Coach nach den Standards der Deutschen Gesellschaft für Coaching (DGfC) abgeschlossen. Ina Kimmel ist als Trainerin in den Bereichen Resilienz, Coachingkompetenz und Stimme tätig. Sie hält Seminare und Impulsvorträge für Therapeut:innen, Teamworkshops in Praxen und Kliniken und arbeitet als systemischer Coach mit Einzelpersonen und Teams. Mit ihren Angeboten möchte sie einen Beitrag dazu leisten, dass Therapeut:innen lernen, ihre körperliche und mentale Gesundheit in den Blick zu nehmen.

3 Lubitz & Fröhlich: interdisziplinäre Versorgung

Anika Lubitz & Claudia Fröhlich, THERAPIEexperte
Wie funktioniert interdisziplinäre Zusammenarbeit in der ambulanten Therapie – Ein Praxisbeispiel

Workshopbeschreibung
“Wir benötigen innovative und interdisziplinäre Konzepte, um den immer komplexer werdenden Versorgungsauftrag langfristig gerecht zu werden!” – Sicher ist Ihnen dieser Appell in Ihrer Laufbahn bereits begegnet. Und sicher wissen Sie auch um die Relevanz interdisziplinärer Zusammenarbeit für Ihre berufliche Praxis. Wie sollen Sie diese jedoch umsetzen und in Ihre Arbeit integrieren? Welche konkreten Vorteile ergeben sich für Sie und Ihre Patient:innen? In diesem Workshop werden wir Ihnen anhand eines Praxisbeispiels vorstellen, wie eine gelungene interdisziplinäre Versorgung gestaltet werden kann und welche Voraussetzungen hierfür geschaffen werden müssen, um dies zu ermöglichen.

Über die Referentinnen
Anika Lubitz ist langjährige Logopädin und die therapeutische Leitung von über 40 Therapeut:innen aus Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie bei Theraphysia. Anhand ihrer Erfahrungen aus und in der Praxis hat sie maßgeblich zur Entstehung und Entwicklung von THERAPIEexperte beigetragen. Aus dieser Arbeit resultierten nicht nur zahlreiche interdisziplinäre Fortbildungen, sondern seit 2020 auch der erste Interdisziplinären Fachtherapeuten für Säuglinge und Kleinkinder (0-24 Monate) in den Schwerpunkten Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie.
Claudia Fröhlich ist staatlich anerkannte Physiotherapeutin, B.Sc und die operative Leitung von THERAPIEexperte. Bereits seit 2016 ist sie zuerst als studentische Mitarbeiterin und später als Lehrbeauftrage für das Forschungsprojekt “INTER-M-E-P-P-Interprofessionelles Lernen und Lehren in Medizin, Ergotherapie, Physiotherapie und Pflege” tätig. Aufbauend auf ihren Erfahrungen in der Lehre und der praktischen Arbeit setzt sie ihren Schwerpunkt auf die interdisziplinäre und digitale Arbeit sowie Lehre von Therapeut:innen und hat maßgeblich zur Entstehung und Entwicklung von THERAPIEexperte beigetragen.