»Wortschatzsammler« im Unterricht: Entwicklung und Evaluation eines strategieorientierten, unterrichtsintegrierten Förderkonzepts

Tanja Ulrich & Inga Laßmann
Universität zu Köln

Im therapeutischen Setting hat sich der „Wortschatzsammler“ als effektive Interventionsmethode erwiesen, die Kinder mit lexikalischen Defiziten bei der eigenaktiven Erweiterung ihres Wortschatzes unterstützen kann. Im Rahmen eines DFG-geförderten Forschungsprojektes an der Universität zu Köln werden aktuell die erfolgreichen Prinzipien des Therapiekonzeptes in unterrichtliche Kontexte implementiert. Ziel des unterrichtlichen Förderkonzeptes ist es, allen Kindern grundlegende Wortlernstrategien zu vermitteln und so das Lernen des unterrichtlichen Fachwortschatzes zu optimieren. Die Effektivität dieses Förderkonzeptes wird im Rahmen einer randomisierten und kontrollierten Interventionsstudie evaluiert.

5 Schwytay: Inputspezifizierung

Jeannine Schwytay, Universität Potsdam
Dysgrammatismus: Nebensatzstrukturen mit Inputspezifizierung einführen

Workshopbeschreibung
„Du kriegst ganz viele Punkte, wegen bist du groß.“ Nachdem Kinder mit Dysgrammatismus die Verbzweitstellung erworben haben, übergeneralisieren sie diese häufig auf Nebensätze oder zeigen noch anhaltende Probleme mit den nebensatzeinleitenden Konjunktionen. In diesem Workshop lernen Sie, wie im Patholinguistischen Ansatz (PLAN, Kauschke & Siegmüller (Hrsg.) 2017) Inputspezifizierungen in der Therapie zum Aufbau von Nebensätzen eingesetzt werden.

Voraussetzungen
Es wird kein Vorwissen zum PLAN vorausgesetzt.

Über die Referentin
Jeannine Schwytay, Dipl.-Patholinguistin, ist seit 2001 akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Psycholinguistik mit Schwerpunkt Spracherwerb der Universität Potsdam. Dort ist sie für die praktische Ausbildung im Bereich der Diagnostik und Therapie bei Sprachentwicklungsstörungen verantwortlich. Sie ist eine der Autorinnen der unter der Herausgeberschaft von Kauschke & Siegmüller (2012/2017) erschienenen „Materialien zur Therapie nach dem Patholinguistischen Ansatz: Syntax und Morphologie“.

4 Netzeband & Woywod: UK

Jonka Netzebandt, P.A.N. Zentrum/Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin
Petra Woywod, Praxis für NeuroLogopädie Sabine Eisenmann Berlin
UK digital: Tabletbasierte Lösungen für aphasische Kommunikationsbarrieren

Workshopbeschreibung
Digitale Medien sind aus der heutigen Welt nicht mehr wegzudenken. Ganz selbstverständlich binden wir diese in unsere Alltagsaktivitäten und Alltagskommunikation ein. Sei es, um den Weg zum neuem Sportverein zu finden, Fotos vom letzten Ausflug in die Familiengruppe zu posten oder sich über neueste Entwicklungen zu privaten oder beruflichen Interessen zu informieren. Menschen mit Aphasie geht es da nicht anders als Nichtbetroffenen. Auch für sie ist die Nutzung von Smartphones und Tablets ein großer Gewinn und kann oftmals ein Rettungsanker sein, wenn die verbale Kommunikation nicht mehr funktioniert.
Übergeordnetes Ziel des Workshops ist es, die Scheu vor dem Einsatz neuer Medien in der Aphasietherapie zu verringern und mit gängigen Vorurteilen bzgl. der Versorgung mit digitalen Helfern aufzuräumen. Dazu werden kurz aktuelle Studienergebnisse im Hinblick auf Erkenntnisse zu hilfreichen und weniger hilfreichen Features bei UK-/Kommunikations-Software für Menschen mit Aphasie vorgestellt und eine Auswahl verschiedener Programme und Software für den möglichen Einsatz in der Aphasietherapie gezeigt. Auch die Unterschiede zwischen funktionaler Kommunikation und funktionellen Sprachleistungen werden hier gegenübergestellt.
Etwas genauer wird auf den Aufbau und die Funktionsmöglichkeiten der App GoTalkNow (Attainment Company Ltd.) eingegegangen und der praktische Umgang geübt. Die TeilnehmerInnen sollen am Ende des Workshops verschiedene Seiten (Felderseite, Tastaturseite, Szenenseite) zu unterschiedlichen Zwecken programmieren und sichern können sowie fertige Seiten aus der GTN-community-cloud herunterladen können.
Um das Aufrufen und Ausprobieren von UK-Software und das Programmieren eigener Seiten im Programm GoTalkNow praktisch lernen und üben zu können, werden wir direkt in Kleingruppen an Tablets arbeiten.

Vorbereitung/Voraussetzungen
Wer ein eigenes iOS-Tablet besitzt, sollte dieses bitte mitbringen und evtl. vorher schon die (kostenlose) Liteversion der App installieren.

3 Tenhagen: Taping

Anne Tenhagen, Europäische Fachhochschule Brühl
Der Einsatz des elastischen Tapes in der sprachtherapeutischen Praxis

Workshopbeschreibung
Das elastische Tape biete mittlerweile in vielen Disziplinen eine wertvolle Unterstützung der herkömmlichen Therapie. Durch die gezielte Anwendung kann die Therapieeffektivität gesteigert werden. Das Tape hat unterschiedliche Anwendungsgebiete und kann hierbei z.B. Muskulatur stärken oder schwächen sowie Haltungsgewohnheiten ändern. Auch in der Sprachtherapie finden sich zahlreiche Einsatzmöglichkeiten des Tapes u.a. im Bereich der Myofunktionellen Therapie (z.B. Mund- und Kieferschluss), Stimme (z.B. Haltung, Tonusregulation, Atmung) und Neurologie (z.B. Fazialisparese, Schlucken).
Innerhalb des Workshops wird ein Überblick über das Wirkprinzip und Anwendungsmöglichkeiten gegeben. Die Teilnehmer werden aus einer Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten drei ausgewählte Anlagen praktisch ausprobieren:

  • Entspannung des M. trapezius (gerne ein Unterhemd tragen)
  • Tonisierung des M. orbicularis oris zur Unterstützung des Mundschlusses, Indikationsanlage Fazialisparese

Vorbereitung/Voraussetzungen
Bitte verwenden Sie vor dem Seminar keine fetthaltigen Cremes.
Tragen Sie gern ein Unterhemd.
Bitte bringen Sie eine Schere mit (Tape wird gestellt)!

Über die Referentin
Anne Tenhagen (M.Sc.) ist Logopädin. Im Anschluss an ihre Ausbildung in Göttingen absolvierte sie den interdisziplinären Bachelor an der HS Osnabrück und beschäftigte sich in ihrer Bachelorarbeit erstmals mit dem Taping zur Behandlung eines inkompletten Mundschlusses. Seit 2015 gibt sie Fortbildungen zum Einsatz des elastischen Tapes in der Logopädie. Nach dem Master der Lehr- und Forschungslogopädie an der RWTH Aachen ist sie derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der EUFH in Brühl, als angestellte Logopädin und freiberufliche Dozentin tätig.

2 Scheddin: TK-Management

Almuth Scheddin, Neurologische Rehabilitationsklinik Beelitz
Trachealkanülenmanagement im Spiegel neurogener Dysphagien

Workshopbeschreibung
In Kürze soll der Bogen zwischen der definierten Ausgangssituation (Patient mit geblocktem Kanülensystem), dem Sekretmanagement und der Schluckperformance gespannt werden – da alles in einem engen Zusammenhang steht.
Die Fragestellung „Provoziert ein Kanülensystem Aspiration und unterstützt letztlich die Ausbildung von Dysphagien?“ wird ausführlich beleuchtet.
Wie können wir günstigstenfalls vorgehen und Patienten mit Potential erfolgreich dekanülieren?
Gibt es dafür Prädiktoren? Wie ist die Studienlage und die Standardentwicklung in Deutschland?
Damit können wir spielend einen ganzen Tag füllen – aber wir haben nur 1½h Zeit! Dennoch soll videounterstützt in aller Kürze auch auf folgende Inhalte Bezug genommen werden:

  • Einfluss des Kanülensystems auf Atmung und Atemwege
  • Entblockungsprozedere (praktische Tipps)
  • orale Ernährung mit TK, einschl. beatmete Patienten
  • Einsatz unterschiedlicher Stimmventile und künstlicher Nasen
  • Einblick ins klinikinterne TK-Management

Es ist keine „Kanülenkunde“ geplant. Sollte dies jedoch von der Mehrheit gewünscht sein, ändere ich den Inhalt dahingehend.

Vorbereitung/Voraussetzungen
Grundkenntnisse auf den Ebenen Anlage des Tracheostomas und Indikation, Kanülentypen und Indikation sowie endotracheales Absaugen (Indikation und Durchführung) sind empfehlenswert, aber keine Voraussetzung für die Teilnahme am Workshop.

Über die Referentin

  • Ausbildung zur Logopädin (RWTH Aachen, Abschluss 1993)
  • langjähriger Aufbau und Leitung der logopädischen Abteilung der neurologischen Fachkliniken Beelitz-Heilstätten seit 1996
  • logopädische Supervisorin; mitverantwortlich für Standarderstellung/Qualitätsmanagement
  • mehrjährige Arbeit im Intensiv- und Beatmungsbereich
  • zwischenzeitig Lehrlogopädin, Honorardozentin sowie langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin der Berliner Schlaganfallallianz

Literatur
Scheddin A. (2012). Interdisziplinäre Rehabilitation tracheotomierter Patienten mit neurogenen Dysphagien (ND) aus sprachtherapeutischer Perspektive. In E. Klemm E. & A. Nowak (Hrsg.), Kompendium der Tracheotomie ( 161–175 ). Berlin, Heidelberg: Springer.

1 Schneider: Poltern

Michael Schneider, Schule für Logopädie, Universitätsklinikum Münster
Poltern – Mehr als nur zu schnelles Sprechen: Neue Perspektiven zur Behandlung eines komplexen Störungsbildes

Workshopbeschreibung
Poltern ist mehr als nur zu schnelles Sprechen. Auch die traditionelle Zuschreibung zu den Redeflussstörungen wird dem Syndrom Poltern nicht gerecht. Bereits Weiss (1964) charakterisiert das Syndrom Poltern als „zentrale Störung des sprachlichen Gleichgewichts“, das einen Mikrokosmos nahezu aller Sprech- und Sprachstörungen umfassen kann und darüber hinaus häufig mit sprachübergreifenden Beeinträchtigungen assoziiert ist. Zu Beginn des Workshops wird anhand ausgewählter Videoausschnitte das komplexe Erscheinungsbild des Polterns exemplarisch veranschaulicht. Auf der Grundlage des Sprachproduktionsmodells nach Levelt (1989) werden dann vier Arbeitshypothesen vorgestellt, die einen strukturierenden Zugang zum diagnostischen und therapeutischen Vorgehen bieten. Hinweise zu metakommunikativen Interventionen und die Vorstellung der Kernbereiche der Übungsebene schließen den Workshop ab und vermitteln neue Handlungsperspektiven und Motivation für die Arbeit mit polternden Klienten.

Literaturempfehlung
Schneider, M. (2017). Poltern. In M. Grohnfeldt (Hrsg.), Kompendium der akademischen
Sprachtherapie und Logopädie, Band 3 (242–253). Stuttgart: Kohlhammer.

Titel für das 13. Herbsttreffen gesucht – Kreativ sein und gewinnen

Welchem Schwerpunktthema wird sich wohl das nächste Herbsttreffen widmen? Wir lüften das Geheimnis: Es wird sich alles um Wortfindungsstörungen drehen. Dieses Thema wird sowohl aus neurologischer Perspektive als auch aus Sicht des Spracherwerbs beleucht.

Was aber noch fehlt, ist ein Titel – und hier können sich alle beteiligen! Wir suchen den besten Titel für das diesjährige Herbsttreffen. Diese Mühe soll natürlich nicht umsonst sein. Der beste Vorschlag wird der offizielle Herbsttreffen-Titel 2019 und neben dem Ruhm kann die Gewinnerin oder der Gewinner kostenlos am 13. Herbsttreffen teilnehmen.

Vorschläge können bis zum 5. Mai auf der vpl-Facebook-Seite als Kommentar eingereicht werden oder auch direkt per E-Mail an team@herbsttreffen-patholinguistik.de.

Das Team freut sich über eine rege Beteiligung und viele Vorschläge.

Wahl des Titels für das 13. Herbsttreffen