Dysarthria Impact Profile – D

Kathleen Schneider, Anne Kutz, Hella Kaps & Ulrike Frank
Swallowing Research Lab, Universität Potsdam

Zur Erfassung psycho-sozialer Auswirkungen einer Dysarthrie als erworbene Sprechstörung wurde 2009 das „Dysarthria Impact Profile“ (DIP) von Walshe, Peach und Miller entwickelt. Die Erfassung des negativen Einflusses der Dysarthrie auf die Lebensqualität der Betroffenen dient zur Gewährleistung einer ganzheitlichen und individuell angepassten Therapieintervention. Nach Übersetzung des DIP in das Deutsche (DIP-D, Kutz, 2018) erfolgte nun eine weiterführende Validierung des DIP-D. Dabei wurde der Fragebogen in seiner Anwendbarkeit überprüft, sowie die Selbsteinschätzung der Dysarthrie, auch im Hinblick auf das ICF-Klassifikationssystem, analysiert. Der Fokus lag dabei auf ParkinsonpatientInnen mit IPS und MSA-P.

Posterbeiträge online

Es wurden insgesamt 12 Posterbeiträge eingereicht, die ein breites Spektrum an sprachtherapeutischen Themen abdecken: Stottern, Sprachverarbeitung, Leseerwerb, prosodische Verarbeitung bei Aphasie, Konversation und Wortproduktion in Personen mit und ohne Aphasie, Interventionsansätze und Wortabruf bei Demenz, Phonologieerwerb im Arabischen sowie Dysphagie. Unter »Programm« finden sich die Kurzbeschreibungen.

Interventionsansätze in der Therapie der Primär Progredienten Aphasie

Anna Luisa Mähl, Nicole Stadie & Sandra Hanne
Department Linguistik, Universität Potsdam

Eine Primär Progrediente Apahsie (PPA) ist eine neurodegenerative Erkrankung, die der Gruppe der Demenzen zugeordnet wird. Derzeit gibt es keine gesicherte Therapiemethode oder ein gesichertes Therapieprogramm für die Intervention bei einer PPA. Im Rahmen dieser Arbeit wurden Gruppen möglicher Interventionsansätze in der Therapie der PPA erstellt und die einzelnen Verfahren hinsichtlich ihrer Wirksamkeit überprüft und verglichen.

Mentale Beanspruchung beim Sprechen: Erkenntnisse aus der Pupillometrie zur flüssigen und gestotterten Sprachproduktion

Rahel Verbree, Jacolien van Rij & Simone Sprenger
Rijksuniversiteit Groningen

Obwohl zahlreiche Studien gezeigt haben, dass erhöhte mentale Beanspruchung mit Pupillenerweiterung einhergeht, ist dieser systematische Zusammenhang noch nicht hinreichend für die Sprachproduktion untersucht worden. Mit dieser Studie haben wir überprüft, ob Pupillometrie (Messung der Pupillengröße) als Messinstrument mentaler Beanspruchung während flüssiger Sprachproduktion verwendet werden kann. Weiterhin haben wir mit dieser Methode untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen gestotterter Sprachproduktion und erhöhter mentaler Beanspruchung besteht. Die Ergebnisse der Studie werden auf dem Herbsttreffen präsentiert.

Phonologieerwerb in der Erstsprache Arabisch: Diagnostik der Aussprache bei arabisch-deutsch-bilingualen Kindern

Iman Nousair, Annegret Klassert & Caroline Wellmann
Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam & Universität Potsdam

Die hier in Auszügen vorgestellte Bachelorarbeit stellt einen Überblick über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem deutschen und dem syrisch-arabischen monolingualen Phonologieerwerb bereit, sodass mögliche Interaktionen zwischen den phonologischen Systemen syrisch-arabisch-deutsch bilingualer Kinder aufgedeckt werden können. Darüber hinaus wurde die Anwendbarkeit der monolingualen Normdaten zum arabischen Phonologieerwerb von Owaida (2015) auf ein bilingual arabisch-deutschsprachiges Kind untersucht. Der Fokus der Bachelorarbeit liegt auf der Entwicklung und Anwendung eines praktikablen Aussprachetests für das Arabische, da die diagnostische Lage zur Erfassung arabischer phonologischer Fähigkeiten sehr lückenhaft ist (Amayreh & Dyson, 1998).

Die Konkurrenz schläft nie! Evidenz für den lexikalischen Wettbewerb mit semantischen Nachbarn in der Wortproduktion bei älteren, sprachgesunden und aphasischen Personen

Nora Fieder, Rasha Abdel Rahman & Isabell Wartenburger
Humboldt-Universität zu Berlin, Macquarie University, Sydney & Universität Potsdam

Das Ziel dieser Studie ist es, den Einfluss der Anzahl und Ähnlichkeit semantischer Nachbarn auf den lexikalischen Abruf beim Benennen zu untersuchen als Evidenz für einen konkurrenzbasierenden Mechanismus des lexikalischen Abrufs bei einer Gruppe mit 30 älteren, sprachunbeeinträchtigten ProbandInnen und 10 AphasieprobandInnen mit Wortfindungsstörungen. Die Ergebnisse für beide Gruppen zeigten einen negativen Einfluss der Ähnlichkeit semantischer Nachbarn (semantic neighbourhood similarity) auf die Bildbenenngenauigkeit und die Produktion von lexikalisch-semantischen Benennfehlern: Wörter mit semantisch sehr ähnlichen Nachbarn führten zu einer Abnahme der Benenngenauigkeit und somit zur häufigeren Produktion von Benennfehlern, einschließlich semantischen Fehlern bei beiden Gruppen, sowie zu mehr Auslassungen bei den AphasikerInnen. Der Einfluss der Anzahl semantischer Nachbarn (semantic neighbourhood density) auf das Benennen beschränkte sich auf einen negativen Effekt für die Anzahl semantisch naher Nachbarn (close semantic neighbourhood density): die Benennschwierigkeiten nahmen mit der Anzahl der semantisch nahen Nachbarn zu und führten somit beim Benennen zu weniger korrekten Antworten und zu mehr semantischen Fehlern und Auslassungen bei beiden Gruppen. Der negative Einfluss der semantic neighbourhood similarity and close semantic neighbourhood density auf das Benennen bestätigt die Vorhersagen für kompetative Theorien der Sprachproduktion.

Behandlung von Wortabrufstörungen bei Probanden mit Alzheimer Demenz: Semantische Komplexität und Wortflüssigkeit

Anita Bethge, Sandra Hanne & Nicole Stadie
Department Linguistik, Universität Potsdam

Wortabrufstörungen, die sich beim Benennen und in Wortflüssigkeitsaufgaben beobachten lassen, treten bei Menschen mit Alzheimer Demenz (AD) oft schon im frühen Stadium auf und nehmen im Krankheitsverlauf weiter zu (Kempler, 1991; Crossley, D’Arcy & Rawson, 1997). Die Ergebnisse vorangegangener Studien weisen darauf hin, dass mit einem erfolglosen Zugriff auf die Wortform auch ein progredienter Verlust semantischer Repräsentationen einhergeht (Martin, 1992). Ziele der vorliegenden Studie ist a) die Evaluation der Wirksamkeit einer semantisch basierten Benenntherapie bei Menschen mit Alzheimer Demenz und b) die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der Reaktivierung semantischer Merkmale und der Leistung in einer Wortflüssigkeitsaufgabe, die auf die Produktion semantischer Merkmale abzielt. In Übereinstimmung mit den Vorhersagen des Komplexitätsansatzes in der Sprachtherapie (Thompson et al., 2003) führte das Training mit atypischen Vertretern einer semantischen Kategorie bei zwei von drei Probanden zu einer Verbesserung der Benennleistung für die geübten atypischen Items als auch zu einer Generalisierung auf weniger komplexe typische Items, die im Rahmen der Therapie nicht beübt wurden. Nach dem Vorgehen in der Therapie, d.h. dem Bearbeiten semantischer Merkmale für jedes Übungsitem kam es zu einem verbesserten schnellen sukzessiven Abrufs dieser Merkmale in der Elizitierungsaufgabe.

Konversationen mit und ohne Aphasie: Evaluation eines für das Deutsche adaptierten Konversationsprotokolls

Andrea Hofmann, Nicole Stadie & Sandra Hanne
Department Linguistik, Universität Potsdam

Die Studie nimmt alltägliche Konversationen von Personen mit Aphasie (PmA) sowie Sprachgesunden in den Blick. Dazu wird ein bereits vorhandenes Konversationsprotokoll für das Deutsche adaptiert und erweitert und anschließend evaluiert. Mit Hilfe der empirischen Daten wird ein Gruppenvergleich vorgenommen und insbesondere die Adäquatheit der inkludierten Beschreibungsparameter von Konversation sowie quantitative und qualitative Distinktionen untersucht. Das evaluierte Protokoll soll zur Abbildung von Therapieeffekten und zur Planung einer effektiven Intervention in Hinblick auf mögliche konversationelle Einschränkungen dienen.