Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Dysphagie-Profil zeigen Patient:innen mit Multisystematrophie (MSA) im Vergleich zu Patient:innen mit Progressiver supranukleärer Blickparese (PSP): Ein Scoping Review
Katja Rost1, Anke Stüber2 & Ulrike Frank1
1 Department Linguistik, Universität Potsdam
2 Abteilung für Logopädie, Havellandkliniken, Nauen
Multisystematrophie (MSA) und die Progressive supranukleare Blickparese (PSP) zählen zu den atypischen Parkinson-Syndromen und gehen häufig mit Dysphagie einher, einem Symptom mit erheblicher prognostischer Relevanz. Dennoch fehlt bislang eine systematische, phasenbezogene Gegenüberstellung der zugrunde liegenden Dysphagie-Profile. Die vorliegende Arbeit adressiert diese Lücke und untersucht differenziert, wie sich Schluckstörungen bei MSA und PSP entlang der vier Schluckphasen manifestieren. Im Rahmen einer systematischen Literaturrecherche wurden acht Studien mit insgesamt 296 Patient:innen (204 MSA, 92 PSP) eingeschlossen. Die identifizierten 21 dysphagischen Symptome wurden extrahiert, den Schluckphasen zugeordnet und in gepoolten Prävalenzen zusammengeführt. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass MSA und PSP zwar einen gemeinsamen, pharyngeal dominierten Störungsrahmen aufweisen, sich jedoch in ihren Dysphagie-Profilen differenzieren lassen. Während MSA ein fokussiertes Muster mit Schwerpunkten in der oralen Transport- und pharyngealen Phase aufweist, präsentiert sich PSP als komplexes, phasenübergreifendes Störungsbild mit Beteiligung aller Schluckphasen. Eine phasenbezogene Schluckdiagnostik ist für die klinische Praxis bei atypischen Parkinson-Syndromen essenziell, um spezifische Symptommuster frühzeitig zu erkennen, Aspirationsrisiken differenziert einzuschätzen und Interventionen priorisieren zu können.

