P04 | Lesegeschwindigkeit als Prädiktor des Lesesinnverständnisses

Schneller lesen, besser verstehen? Lesegeschwindigkeit in Klasse 7 als Prädiktor des Lesesinnverständnisses in Klasse 10
Hannah Heichen, Michael Wahl & Katharina Weiland
Institut für Rehabilitationswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin

Automatisierte Worterkennung gilt nach LaBerge und Samuels (1974) als Voraussetzung dafür, dass kognitive Ressourcen für die Konstruktion von Textbedeutung zur Verfügung stehen. Die vorliegende Studie untersucht auf Basis von Längsschnittdaten des BLab-Projekts der Humboldt-Universität zu Berlin, in welchem Ausmaß die Lesegeschwindigkeit in Klasse 7 das Lesesinnverständnis in Klasse 10 vorhersagt. Lesegeschwindigkeit wird dabei eng operationalisiert als Genauigkeit und Geschwindigkeit des Wort- und Pseudowortlesens (SLRT-II, Ein-Minuten-Leseflüssigkeitstest), Lesesinnverständnis über den LGVT 5-12+ erfasst. Aus einer Ausgangsstichprobe von 291 Schüler:innen einer Berliner Gemeinschaftsschule liegen bei 128 Schüler:innen vollständige Längsschnittdaten aus beiden Erhebungszeitpunkten vor. Wortlesen und Pseudowortlesen in Klasse 7 waren dabei signifikant positiv mit dem Lesesinnverständnis in Klasse 10 assoziiert. Die Lesegeschwindigkeit erwies sich auch unter Kontrolle von Alter, Geschlecht und Sprachhintergrund als eigenständiger, signifikanter Prädiktor des späteren Lesesinnverständnisses. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Lesegeschwindigkeit als Indikator automatisierter Worterkennung für die langfristige Leseentwicklung und legen nahe, dass sich die Lesegeschwindigkeit in Klasse 7 zur frühzeitigen Identifikation von Schüler:innen mit erhöhtem Risiko für spätere Schwierigkeiten im Lesesinnverständnis eignet.