Tempo steigt, Interferenz bleibt: Benennintervention bei Aphasie
Kim Krumbholz1,2,3, Danièle Pino1,2,3, Frank Regenbrecht1,3 & Hellmuth Obrig1,3
1 Tagesklinik für Kognitive Neurologie, Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät, Universität Leipzig
2 Physikalische Therapie und Rehabilitation, Universitätsklinikum Leipzig
3 Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften Leipzig
Das Bild-Wort-Interferenzparadigma (PWI) erfasst eine zentrale Herausforderung der Sprachproduktion: irrelevante, aber semantisch verwandte Wörter zu ignorieren. Werden Bilder gemeinsam mit kategorial relatierten Distraktoren präsentiert (z. B. Birne–Apfel), sind Benennungen langsamer und fehleranfälliger als bei nicht verwandten Distraktoren (z. B. Birne–Auto). Dieser semantische Interferenzeffekt tritt sowohl bei neurotypischen Personen als auch bei Menschen mit Aphasie auf. Das Potenzial des PWI-Paradigmas als exekutives, interferenzbasiertes Training bei Wortabrufstörungen wurde bislang jedoch kaum untersucht. Die Studie prüfte, ob die wiederholte Konfrontation mit semantischen Distraktoren die Benennleistung von Menschen mit Aphasie und neurotypischen Erwachsenen verbessert. 17 Personen mit chronischer Aphasie und leichten bis moderaten Benennstörungen sowie 17 alters- und bildungsgematchte Kontrollpersonen absolvierten das PWI-Paradigma im Prä-Post-Design. In drei Trainingssitzungen wurde die Hälfte des Itemsets mit kategorial verwandten Distraktoren trainiert, die andere Hälfte blieb untrainiert. Die Analyse mittels linearer gemischter Modelle zeigte eine generelle Abnahme der Benennlatenzen vom Prä- zum Posttest. Der semantische Interferenzeffekt blieb jedoch unverändert und war zu beiden Zeitpunkten stabil nachweisbar. Die Ergebnisse sprechen für linguistisch-itemspezifische Trainingseffekte, nicht jedoch für eine exekutive Modulation semantischer Interferenz.

