P03 | Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen bei Mehrsprachigkeit

Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen bei Mehrsprachigkeit – ein Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse an der Université de Neuchâtel
Katrin Skoruppa & Salomé Schwob
Institut des sciences logopédiques, Université de Neuchâtel

Es werden ausgewählte Ergebnisse aus dem Institut des sciences logopédiques an der Université de Neuchâtel in der französischsprachigen Schweiz vorgestellt, die sich mit der Diagnosegenauigkeit verschiedener Testverfahren zur Feststellung von Sprachentwicklungsstörungen bei Mehrsprachigkeit befassen.
An einer Stichprobe von 72 fünf- bis achtjährigen Schulkindern mit und ohne Sprachentwicklungsstörungen, die entweder einsprachig (Französisch) oder zweisprachig (Französisch und Portugiesisch) aufwuchsen, wurden zunächst klassische Tests in verschiedenen Sprachdomänen (Lexikon, Morphosyntax) und -modalitäten (expressiv, rezeptiv) in beiden Sprachen erprobt. Diese erwiesen sich jedoch bei den zweisprachigen Kindern – auch unter Anpassung der Grenzwerte für Störungen – als unzuverlässig, vor allem im Bereich Wortschatz.
Quasi-universelle Tests, die weniger auf Wissen in einer Einzelsprache abzielen, wie das Nachsprechen von Nichtwörtern und das Erlernen neuer Wörter und Sprachstrukturen in einem interaktiven Vorlese-Setting, wiesen dagegen eine diagnostische Güte von 80–90% auf. Abschließend werden weitere vielversprechende Testaufgaben skizziert, an denen derzeit gearbeitet wird (zu Analogieerkennung, Verständnis von Gesten und Erzählfertigkeiten) und einen Ausblick auf erste Therapie- und Präventionsforschungsprojekte gegeben.