Morphologische Bewusstheit im Kindergarten erfassen – Erkenntnisse einer Pilotierung aus der Deutschschweiz
Britta Massie
Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik, Zürich
Die Pilotierung einer Testaufgabensammlung (MB-KG 4-7) zur Erfassung der morphologischen Bewusstheit (MB) bei Deutschschweizer Kindergartenkindern lieferte erste Hinweise auf früh vorhandene explizite MB-Kompetenzen bereits bei Vier- bis Siebenjährigen (Massie, 2026). Der Befund relativiert die verbreitete Annahme, MB entstehe vorwiegend durch den Schriftspracherwerb. Zugleich zeigte sich die Notwendigkeit, einzelne Testaufgaben und Items modellbasiert anzupassen. Für die Überarbeitung wurden unter anderem die Itemschwierigkeiten mit ChildLex-Lemmafrequenzen (Schroeder et al., 2015) korreliert. In einzelnen Testteilen zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang (bis ρ = .89), der jedoch nach Kontrolle für die Anzahl der Vergleiche (Benjamini-Hochberg) statistisch nicht abgesichert war. Die Befunde liefern einen vorsichtig zu wertenden Hinweis auf einen möglichen Frequenzeinfluss. Vor dem theoretischen Hintergrund der Unzulänglichkeiten von Sprachtestkonstruktion, nämlich dem Wechselspiel von Sprachkompetenz, Testaufgabe und Interaktion (Bachman, 2007), stellt das Poster die überarbeiteten Items sowie einen neuen Untertest zur expliziten, metasprachlichen MB vor. Im Ausblick wird die erneute Testung von Kindergartenkindern mit der Revision des MB-KG 4-7 skizziert. Langfristiges Ziel ist ein valides Diagnostikinstrument als Grundlage für Förder- und/oder Therapiemaßnahmen, auch im Hinblick auf den Schriftspracherwerb.

