Erfahrungsabhängige Neuroplastizität und Stillerfolg bei Frühgeborenen – Entwicklung eines evidenzinformierten konzeptionellen Frameworks
Maria Eicke-Lübeck
Johanniter Krankenhaus Treuenbrietzen, selbständige Still- und Laktationsexpert:in
Kontext: Der Stillbeginn Frühgeborener ist oft erschwert. Erfahrungsabhängige Neuroplastizität (NP) beschreibt, wie Erfahrungen die Entwicklung stillrelevanter neuronaler Funktionen beeinflussen, sodass sich die Prinzipien der NP zur Betrachtung des Stillfertigkeitserwerbs Frühgeborener anbieten.
Ziel: Die NP-Prinzipien hinsichtlich ihres Grades der empirischen Unterstützung im Kontext des Stillens Frühgeborener analysieren und ein praxisnahes Framework entwerfen.
Methode: Narrativer Review mittels relevanter Suchbegriffe in PubMed und Schneeballsuche in den Referenzlisten. Die Paper wurden hinsichtlich des Grades ihrer empirischen Unterstützung der NP-Prinzipien qualitativ eingeordnet und ein Framework zur fallbezogenen Betrachtung stillfördernder Maßnahmen vorgeschlagen.
Ergebnis: Die empirische Unterstützung für mögliche Assoziationen einzelner Prinzipien mit dem Stillfertigkeitserwerb war heterogen. Während etwa Specificity und Use it and Improve it vergleichsweise deutliche empirische Anknüpfungspunkte aufwiesen, waren diese für andere Prinzipien wie Repetition und Intensity begrenzt und indirekt. Betrachtet man NP-Prinzipien als potenziell relevante Bedingungen des Stillfertigkeitserwerbs, kann das abgeleitete Framework praxisnahe Stillförderhypothesen ermöglichen.
Schlussfolgerung: NP-Prinzipien können zur Betrachtung des Stillfertigkeitserwerbs Frühgeborener dienen. Das vorgeschlagene Framework bietet Möglichkeiten zur Generierung von Förder- und Forschungshypothesen.

