»Wortschatzsammler« im Unterricht: Entwicklung und Evaluation eines strategieorientierten, unterrichtsintegrierten Förderkonzepts

Tanja Ulrich & Inga Laßmann
Universität zu Köln

Im therapeutischen Setting hat sich der „Wortschatzsammler“ als effektive Interventionsmethode erwiesen, die Kinder mit lexikalischen Defiziten bei der eigenaktiven Erweiterung ihres Wortschatzes unterstützen kann. Im Rahmen eines DFG-geförderten Forschungsprojektes an der Universität zu Köln werden aktuell die erfolgreichen Prinzipien des Therapiekonzeptes in unterrichtliche Kontexte implementiert. Ziel des unterrichtlichen Förderkonzeptes ist es, allen Kindern grundlegende Wortlernstrategien zu vermitteln und so das Lernen des unterrichtlichen Fachwortschatzes zu optimieren. Die Effektivität dieses Förderkonzeptes wird im Rahmen einer randomisierten und kontrollierten Interventionsstudie evaluiert.

5 Grohmann: Musiktherapie & Sprache

Maria Grohmann, Rudolstadt
Musiktherapeutische Elemente in der logopädischen Kindersprachtherapie

Workshopbeschreibung
Musik wirkt. Wir alle kennen das. Sie begeistert und berührt. Sie fasziniert und lässt uns mitwippen und -klatschen und weckt Erinnerungen. Musik bedeutet Ausdruck, Kommunikation, Freude und lässt viele Dinge manchmal einfacher erscheinen. Es ist möglich, auf unterschiedlichen Entwicklungsebenen schon im frühesten Alter mit musikalischen Elementen zu improvisieren, sie gezielt in die Förderung einzusetzen, ohne Kindern ein Gefühl des Übens vermitteln zu müssen. Vielmehr entwickelt sich durch das gemeinsame Musizieren, Singen oder durch elementar-rhythmische Angebote ein freudvoller Umgang mit neuen Lerninhalten. Besonders im Bereich der Sprachförderung ist es lohnenswert, mit vielfältigen musikalischen Inhalten Wortschatz, Artikulation, Grammatik sowie Kommunikationsverhalten spielerisch zu fördern.

Ziel:
Es werden Anwendungsmöglichkeiten vermittelt, die sich gut in die Therapie von Sprachentwicklungsstörungen einbinden lassen und die dahinterstehenden theoretischen Aspekte verdeutlicht. Im Zentrum dabei stehen die Förderung und die ressourcenorientierte Arbeit auf allen linguistischen Ebenen der Sprache (Wortschatz, Grammatik, Artikulation und Kommunikation) in Verbindung mit elementaren musikalischen Mitteln. Dabei wird eine Verknüpfung zu musiktherapeutischen Methoden erstellt, um die positiven Wirkungen von Musik auf Kinder innerhalb der logopädischen Therapie zu Nutze zu machen. Um kreativ zu werden und Zusammenhänge zu verstehen, werden unterschiedliche Instrumente und Materialien vorgestellt.

Inhalte:

  • Einblick in die Musiktherapielandschaft & musiktherapeutische Möglichkeiten – Definitionen, Handlungsformen, Einsatz in der Logopädie
  • Vergleich von Sprache und Musik
  • zielgerichteter Einsatz musikalischer Mittel in den Bereichen Wortschatz, Phonologie, Kommunikation, Mundmotorik und Artikulation
  • Musikalische Bausteine für die sprachtherapeutische Praxis
  • Musikalisch-kreative Gestaltung von Kinderliedern

Über die Referentin
Maria Grohmann ist als Logopädin und Musiktherapeutin in Thüringen tätig. Ihre therapeutischen Schwerpunkte liegen auf der Arbeit im Bereich von Sprachentwicklungsstörungen, als auch Kommunikationsstörungen bei geistigen und komplexen Behinderungen. U.a. als Dozentin der Onlineakademie memole® tätig, gibt sie seit Beendigung ihres Musiktherapiestudiums (2017) Fortbildungen, die sich mit der Verbindung von Musik, Sprache und Kommunikation im therapeutischen Setting auseinandersetzen.

4 Brauer: LSVT®

Thomas Brauer, Mainz
Lee Silverman Voice Treatment (LSVT®)

Workshopbeschreibung
LSVT LOUD und LSVT BIG sind Therapieformen, die speziell für Menschen mit Morbus Parkinson entwickelt wurden, die aber auch bei anderen neurologischen Erkrankungen und Kommunikationsstörungen eingesetzt werden können. Der Workshop vermittelt einen Einblick in die Grundlagen der Parkinson Erkrankung und die Indikationen für eine LSVT Therapie. Die LSVT LOUD Therapie unter Einsatz des Computerprogramm LSVT Companions wird exemplarisch demonstriert. Ergänzend wird die Übertragung der LSVT LOUD Prinzipien auf die LSVT BIG Therapie (Physio- und Ergotherapie) im Video kurz dargestellt.

Über den Referenten
Thomas Brauer ist LSVT Global Representative, Germany.

3 Birner-Janusch: TAKTKIN®

Beate Birner-Janusch, Münster
Überblick TAKTKIN® bei entwicklungsbedingten Störungen (Kinder)

Workshopbeschreibung
Im Webinar wird ein Überblick über die Grundlagen und Hintergründe zum TAKTKIN® in der Therapie bei sprechapraktischen Kindern gegeben. TAKTKIN® ist ein manuelles Verfahren zur Behandlung sprechmotorischer Störungen wie Dysarthrien und Sprechapraxien. Durch taktil-kinästhetische Hinweisreize werden Sprechabläufe, besonders koartikulatorische Transitionen, unterstützt und verdeutlicht. Die therapeutische Vorgehensweise wird theoretisch wie praktisch (mit Videos des Vorgehens, auch am Klienten) vorgestellt. Das praktische Erlernen des Verfahrens ist aufgrund des Webinars über das Internet leider nicht möglich, da leider keine Möglichkeit der Selbsterfahrung und Supervision besteht. Das Webinar bietet somit eine sehr gute Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen und ggf. im Anschluss einen TAKTKIN® Ausbildungskurs mit Vorwissen besuchen zu können.

Über die Referentin
Frau Birner-Janusch ist Diplom-Logopädin, Lehrlogopädin (dbl), PROMPT™ Instruktorin und seit 1999 freiberuflich in der Aus- und Weiterbildung von Logopäd*innen und Sprachtherapeut*innen tätig.

2 Tenhagen: Taping

Anne Tenhagen, Europäische Fachhochschule Brühl
Der Einsatz des elastischen Tapes in der sprachtherapeutischen Praxis

Workshopbeschreibung
Das elastische Tape biete mittlerweile in vielen Disziplinen eine wertvolle Unterstützung der herkömmlichen Therapie. Durch die gezielte Anwendung kann die Therapieeffektivität gesteigert werden. Das Tape hat unterschiedliche Anwendungsgebiete und kann hierbei z.B. Muskulatur stärken oder schwächen sowie Haltungsgewohnheiten ändern. Auch in der Sprachtherapie finden sich zahlreiche Einsatzmöglichkeiten des Tapes u.a. im Bereich der Myofunktionellen Therapie (z.B. Mund- und Kieferschluss), Stimme (z.B. Haltung, Tonusregulation, Atmung) und Neurologie (z.B. Fazialisparese, Schlucken).
Innerhalb des Workshops wird ein Überblick über das Wirkprinzip und Anwendungsmöglichkeiten in der Sprachtherapie gegeben. Die Teilnehmer werden zwei ausgewählte Anlagen praktisch ausprobieren: Tonisierung des M. orbicularis oris zur Unterstützung des Mundschlusses, Indikationsanlage Fazialisparese.

Vorbereitung und Material
Bitte organisieren Sie sich vorab elastisches Tape (z.B. Kinesio Tape: https://www.sensotape.de/tape-material.html) und eine gute Schere (z.B. eine Küchenschere) sowie einen Spiegel. Es reichen insgesamt 10 cm, falls Sie also auf bestehendes Tape zurückgreifen können, dann nehmen Sie das. Die Farbe können Sie frei wählen. Verwenden Sie vor dem Seminar keine fetthaltigen Cremes im Gesicht.

Über die Referentin
Anne Tenhagen (M.Sc.) ist Logopädin. Im Anschluss an ihre Ausbildung in Göttingen absolvierte sie den interdisziplinären Bachelor an der HS Osnabrück und beschäftigte sich in ihrer Bachelorarbeit erstmals mit dem Taping zur Behandlung eines inkompletten Mundschlusses. Seit 2015 gibt sie Fortbildungen zum Einsatz des elastischen Tapes in der Logopädie. Nach dem Master der Lehr- und Forschungslogopädie an der RWTH Aachen ist sie nun als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der EUFH in Brühl, als angestellte Logopädin und freiberufliche Dozentin tätig.

1 Harder: UK

Christoph Harder, VAMED Klinik Hohenstücken
Die Anwendung der Unterstützten Kommunikation in der klinischen Praxis

Workshopbeschreibung
Die Unterstützte Kommunikation hilft, nicht oder schwer verständlich sprechenden Menschen Möglichkeiten der Verbesserung der Interaktion mit ihrem Umfeld zu finden. Dabei wird überprüft, welche körpereigenen Ausdrucksformen und welche Hilfsmittel zur besseren Verständigung genutzt werden können.
In dem Seminar wird anhand von klinischen Beispielen die Anwendung von Techniken der Unterstützten Kommunikation dargestellt. Dabei wird beschrieben, wie die Abläufe einer Versorgung vom Erstkontakt bis zur Versorgung organisiert sind, wie die Erprobung erfolgt und welche Hilfsmittel für den Einsatz genutzt werden. Es wird anhand von Videosequenzen gezeigt, welche Formen der Kommunikation für die jeweiligen Patienten sinnvoll sind und welche Einsatzgebiete die jeweiligen Hilfsmittel bieten. Dabei wird auch darauf eingegangen, welche Ansteuerungsvarianten bei körperlich eingeschränkten Patienten es gibt und wie eine Anpassung erfolgt.

Über den Referenten
Christoph Harder ist Diplom-Patholinguist und arbeitet in der Vamed Klinik Hohenstücken in der Abteilung Sprachtherapie. Dort war er federführend am Aufbau der Therapieform der Unterstützten Kommunikation beteiligt und hat als einen Schwerpunkt die Therapie und Versorgung nicht oder schwer verständlich sprechender Personen mit den entsprechenden Hilfsmitteln. Er erfüllte Lehraufträge an der Humboldt Universität zu Berlin zum Thema UK und ist regelmäßiger Teilnehmer der Arbeitstreffen des Beratungsstellennetztwerkes „UKB Nord“. Christoph Harder ist autorisierter Referent der Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation.

Prävalenz und Persistenz isolierter Lesestörungen in den Klassenstufen 1 bis 3: Eine Gegenüberstellung verschiedener Diskrepanzen

Lea Wiehe, Katharina Weiland & Michael Wahl
Institut für Rehabilitationswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin

Die Forschung und Praxis mit Lese-Rechtschreibstörung (LRS) ist von unterschiedlichen Definitionen und deren Anwendungen geprägt (Klicpera, Schabmann, Gasteiger-Klicpera & Schmidt, 2017). In diesem Beitrag sollen zunächst verschiedene Klassifikationen vorgestellt und kritisch beleuchtet werden. Des Weiteren werden anhand einer Teilfragestellung des Projektes BLab (Blickbewegungen und ihre Bedeutung bei der Diagnose und Therapie von Lesestörungen) Prävalenz- und Persistenzraten von isolierten Lesestörungen unter Anwendung verschiedener Diskrepanzen vorgestellt, die abschließend mit ihren pädagogischen Konsequenzen beleuchtet werden sollen.

Entwicklung eines neurolinguistischen Befundes zum Satzverstehen

Romy Neise, Dorothea Pregla & Nicole Stadie
Universität Potsdam

Das Poster soll einen Einblick in die wesentlichen Bestandteile eines neurolinguistischen Befundes sowie in die Erstellung eines solchen für das auditive Verständnis von Sätzen geben. Der Fokus liegt dabei auf der transparenten Identifikation relevanter Einflussvariablen verschiedener Satzkonstruktionen und deren Einordnung in ein psycholinguistisches Modell zur Satzverarbeitung. Das Ziel dabei ist es, einen erklärenden Befund darzustellen, mit dem erhaltene und beeinträchtigte Leistungen von Personen mit Aphasie auf der Grundlage aktueller Erkenntnisse aus der psycholinguistischen Forschung anschaulich und verständlich gemacht werden und somit ein Transfer in die sprachtherapeutische Praxis möglich ist, sowohl für die Diagnostik als auch für die Therapieableitung.

Pragmatische Kompetenzen von Kindern mit Fetalen Alkohol-Spektrum-Störungen

Svenja Obry & Bianca Bohn
Universität Erfurt

Die Sprachentwicklung bei Kindern mit Fetalen Alkohol-Spektrum-Störungen (FASD) wurde bisher nur wenig erforscht. Die soziale Kommunikation ist eines der Schlüsseldefizite der Kinder. Die Eltern von 25 Kindern mit FASD (5;0 bis 12;6 Jahre) beantworteten schriftlich die Fragen des Interviewleitfadens „Das Pragmatische Profil“ (Dohmen, Dewart & Summers, 2009). Die Antworten wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet und in Bezug zu Meilensteinen der physiologischen pragmatischen Entwicklung gesetzt.

Profiling der Lernbedürfnisse im Leseverständnis von Grundschulkindern

Sophie Gruhn, Eliane Segers, Jos Keuning & Ludo Verhoeven
Radboud Universität, Nijmegen & Cito, Institute for Educational Measurement, Arnhem

In dieser Studie wurde untersucht, ob anhand der Zusammenhänge zwischen dem globalen Leseverständnis und dessen zugrundeliegenden Komponenten innerhalb eines Texts mit und ohne Feedback unterschiedliche Leseverständnisprofile bei Grundschulkindern identifiziert werden können. In einem Pretest/Posttest-Design haben niederländische Dritt- bis FünftklässlerInnen 30 kurze Texte in einer digitalen Lernumgebung gelesen und jeweils eine globale Verständnisfrage beantwortet. Die TeilnehmerInnen wurden zufällig innerhalb der Klassen zwei experimentellen Bedingungen zugeordnet, mit entweder zusätzlichen Fragen vor dem Posttest über Wortbedeutungen vom Text mit Feedback (n=97) oder Fragen zu Wortbedeutungen und Satzintegrationen vom Text mit Feedback (n=98). Die Kontrollgruppe (n=98) beantwortete nur die globalen Verständnisfragen. Die Analysen zeigen, dass sich schwächere LeserInnen in den experimentellen Bedingungen, die Feedback benötigten, im globalen Verständnis der Texte verschlechterten, während dies bei stärkeren LeserInnen in den experimentellen Bedingungen, die kein Feedback benötigten, und in der Kontrollgruppe nicht der Fall war. Die Abnahme im globalen Leseverständnis war noch stärker für LeserInnen, die vom Feedback nicht profitierten. Die Notwendigkeit von Feedback und die Reaktion auf Feedback können dazu beitragen, SchülerInnen mit unterschiedlichen Leseverständnisfähigkeiten feiner zu differenzieren.