Die Konkurrenz schläft nie! Evidenz für den lexikalischen Wettbewerb mit semantischen Nachbarn in der Wortproduktion bei älteren, sprachgesunden und aphasischen Personen

Nora Fieder, Rasha Abdel Rahman & Isabell Wartenburger
Humboldt-Universität zu Berlin, Macquarie University, Sydney & Universität Potsdam

Das Ziel dieser Studie ist es, den Einfluss der Anzahl und Ähnlichkeit semantischer Nachbarn auf den lexikalischen Abruf beim Benennen zu untersuchen als Evidenz für einen konkurrenzbasierenden Mechanismus des lexikalischen Abrufs bei einer Gruppe mit 30 älteren, sprachunbeeinträchtigten ProbandInnen und 10 AphasieprobandInnen mit Wortfindungsstörungen. Die Ergebnisse für beide Gruppen zeigten einen negativen Einfluss der Ähnlichkeit semantischer Nachbarn (semantic neighbourhood similarity) auf die Bildbenenngenauigkeit und die Produktion von lexikalisch-semantischen Benennfehlern: Wörter mit semantisch sehr ähnlichen Nachbarn führten zu einer Abnahme der Benenngenauigkeit und somit zur häufigeren Produktion von Benennfehlern, einschließlich semantischen Fehlern bei beiden Gruppen, sowie zu mehr Auslassungen bei den AphasikerInnen. Der Einfluss der Anzahl semantischer Nachbarn (semantic neighbourhood density) auf das Benennen beschränkte sich auf einen negativen Effekt für die Anzahl semantisch naher Nachbarn (close semantic neighbourhood density): die Benennschwierigkeiten nahmen mit der Anzahl der semantisch nahen Nachbarn zu und führten somit beim Benennen zu weniger korrekten Antworten und zu mehr semantischen Fehlern und Auslassungen bei beiden Gruppen. Der negative Einfluss der semantic neighbourhood similarity and close semantic neighbourhood density auf das Benennen bestätigt die Vorhersagen für kompetative Theorien der Sprachproduktion.

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